Das 20. Jahrhundert hat so viele Trummer angehauft, dass sich die Nachgeborenen im Zustand der Angst und des Erschauderns vor der Bosartigkeit des Menschen geschworen haben, nie wieder auf politische Utopien hereinzufallen. So vernunftig das Pathos der Maigung angesichts des apokalyptischen Wahnsinns wirkte, so deutlich tritt in der Berliner Republik aber auch dessen Kehrseite hervor: eine frivole, selbstgenugsame Prinzipienlosigkeit. Mit dem Verlust unserer geschichtsphilosophischen oder auch nur gesellschaftspolitischen Hoffnungen, von religioser Zuversicht ganz zu schweigen, neigen wir Burger dazu, unsere ernsten Erwartungen aneinander gleich mitzubegraben oder pragmatisch aufzulosen. Die Zustimmungsgemeinschaft behauptet in der Republik der Sachzwange: Gerechtigkeit herrscht, wo alle genugend Geld haben, und Frieden, wo kein lautes Wort zu horen ist. Alles Weitere ist Privatsache, und die Zukunft gehort unseren Kindern.