Auch anhand von Zeitzeugenberichten, Dokumenten und zahlreichen Fotos kommt eine wenig bekannte, aber erstaunlich positive Seite der deutschen Einheit in den Blick. Nach dem Mauerfall 1989 standen auch die Bibliotheken der DDR vor einer radikalen Neuausrichtung. Gerade den Staats-, Landes- und Universitatsbibliotheken gelang jedoch mit Unterstutzung aus dem Westen eine rasche und beispiellose Modernisierung. Die Lucken in den Sammlungen wurden geschlossen, die Gebaude saniert und mit zeitgema er Informationstechnologie ausgestattet. Diese Erneuerungsoffensive loste einen Schub aus, von dem das gesamtdeutsche Bibliothekssystem profitiert hat. Auch in personeller Hinsicht verlief die Umgestaltung bemerkenswert: Zwar wurde das Personal auf Leitungsebene streng evaluiert, aber anders als in vielen Bereichen der Hochschulen gab es keinen starken Elitenaustausch von West nach Ost. Die Personalstarke der Belegschaften blieb relativ konstant auch wenn die Ubernahme der Angestellten in das bundesdeutsche Tarifsystem konflikttrachtig war und viele Erwartungen enttauschte. Immerhin blieb der Gro teil der Arbeitsplatze erhalten. Wahrend andernorts nur von Versaumnissen und Verlierern die Rede ist, belegt dieses Buch: Die wissenschaftlichen Bibliotheken nicht nur im Osten, sondern auch im Westen gehoren zu den Gewinnern der Einheit.