Schlagt man ein willkurliches Handbuch der deutschen Literatur aus dem 19. Jahrhundert auf, so begegnet man Namen, die nur noch wenige kennen. Eine solche Begegnung kann ein Schock sein. Was hat man nicht alles versaumt? Hat man das Gluck, uber eine (ur)groelterliche Bibliothek zu verfugen, ist man erstaunt, wenn man auer den Namen etablierter Klassiker, wie Goethe, Schiller, Heine oder Lenau, in weit groerer Zahl Werke antrifft, die der burgerlichen Bildungstradition des 19. und des anfangenden 20. Jahrhunderts ihren Stempel aufgedruckt haben, manchmal sogar in zwanzigbandigen, schmucken Ausgaben. Da trifft man auf Namen wie Felix Dahn, Paul Heyse, Waldemar Bonsels, Otto Flake und Otto Roquette. An ihrer Seite treten im 19. Jahrhundert schon andere Autoren in Erscheinung, die den konservativen Kraften entgegenwirkten und sich energisch fur eine neue Gesellschaft und eine neue Literatur einsetzten. Im 20. Jahrhundert ist eine ahnliche Entwicklung wahrzunehmen, anfangend mit den Expressionisten, unter denen es auch Vergessene"e; und poetae minores"e; gibt, die an der Geschichte ihrer Zeit aber mit neuer Innerlichkeit teil hatten und einen Ansturm gegen die Grenzen der tradierten Literatur unternahmen. Die Literaturgeschichte sichtet und beseitigt. Ob dieses Sichten und Unsichtbarmachen mit Recht geschehen ist, bildet die Kernfrage dieses Buches.