Jean-Etienne Liotard gehort zu den bedeutendsten und zugleich eigenwilligsten Kunstlern des 18. Jahrhunderts. Entlang von Haut, Farbe und Medialitat eroffnet das Buch einen grundlegend neuen und vertieften Blick auf das spezifische Bildverstandnis dieses ungebuhrend wenig beachteten, bis nach Konstantinopel gereisten und an den wichtigsten Hofen in ganz Europa tatigen Malers. Mit Haut , einem Begriff, der in den historischen Quellenschriften der Vormoderne als eine zentrale Metapher fur Oberflachenphanomene fungierte, rucken so grundlegende Themen wie die transkulturelle Bildnismaskerade, Wahrheit und Trug ( Schminke ) in der Malerei oder die Verflechtung des asthetischen und medizinischen Diskurses in den Fokus der Untersuchung. Ausgehend von den schriftlichen Zeugnissen des Malers sowie der breiten kunsttheoretischen Quellenbasis jener Zeit macht die Autorin die hohe Originalitat, materiale Sensibilitat, aber auch kunstlerische Widerstandigkeit des breiten und technisch besonders vielfaltigen Werks von Liotard in seinem historischen Kontext sichtbar. Das Buch ist nicht nur eine lange fallige Untersuchung uber den kosmopolitischen Kunstler, sondern leistet auch einen exemplarischen Beitrag zur selbstreflexiven Thematisierung von Oberflachen (in) der (vormodernen) Malerei - und damit zu grundlegenden Fragen von Medialitat und Bildlichkeit.