Als Dietrich Bonhoeffer 1945 im Konzentrationslager starb, sollte sein Andenken ausgeloscht werden. Heute zahlt er zu den bekanntesten Theologen weltweit. Hier wird die Karriere dieses evangelischen Heiligen"e; nach seinem Tod neu rekonstruiert. Tim Lorentzen zeichnet Bonhoeffers Gedachtnis in die Kontexte der Kirchen-, Gesellschafts- und Kulturgeschichte beider deutscher Staaten ein. Erinnerungsstatten und Gedenktage, Jubilaumsreden und Ausstellungen werden dabei zu Knotenpunkten eines offentlichen Umgangs mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. So wird die materialreiche Darstellung auch zu einer Geschichte politischer Ethik in Ost und West: Wie haben Erinnerungsgemeinschaften verschiedener Generationen unter je eigenen Bedingungen die Verschworung gegen Hitler gedeutet, welche programmatischen Ziele verbanden sie mit ihren Gedachtnisakten? Erstaunlich fruh wurde der tote Bonhoeffer zu einer Figur kirchlicher Geschichtspolitik.