Um die Demokratie wird gegenwartig so intensiv gerungen wie seit vielen Jahrzehnten nicht mehr. Die Demokratie hat ihre Selbstverstandlichkeit verloren. Das ist umso bemerkenswerter, als die Geschichte der Bundesrepublik von einem emphatischen Bezug auf die Demokratie gepragt ist, der sich in ihr Selbstverstandnis eingebrannt hat. Seit 1949 wurde die Demokratie als Regierungsform wie als Lebensform verhandelt und in konkrete Praxis umgesetzt. Dabei traten die Defizite und Widerspruchlichkeiten des demokratischen Versprechens von Freiheit und Gleichheit, von Sicherheit und Ordnung ebenso zutage wie ihre emanzipatorischen Potenziale. Die bundesrepublikanische Demokratie erwies sich als so verletzlich wie stabil, so inklusiv wie exklusiv, so dynamisch wie starr. Der Sammelband erprobt neue Perspektiven auf die Demokratiegeschichte der Bundesrepublik jenseits von Erfolgs- oder Misserfolgserzahlungen und legt die Komplexitat des bundesrepublikanischen Demokratiemodells frei.