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Simplicianisches Erzaehlen in Grimmelshausens «Wunderbarlichem Vogel-Nest»
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Simplicianisches Erzaehlen in Grimmelshausens «Wunderbarlichem Vogel-Nest»

Grimmelshausens Vogelnest-Romane sind Variationen uber das schon im Springinsfeld auftauchende Problem, ob der Mensch aus sich heraus zum Guten fahig ist, auch wenn er unbemerkt das Boese tun kann. Dabei erweist sich das christliche Gewissen als entscheidende Instanz zur Selbsterkenntnis, wobei das richtige Verstandnis der goettlichen Schoepfung oder die Anleitung durch einen geistlichen Fuhrer entscheidend weiterhelfen. Beide Romane werden als Beispiele fur selbstkritisches Erzahlen im Sinne einer augustinischen Lebensbeichte in die Tradition des Simplicissimus gestellt. Das unsichtbar machende Vogelnest erscheint in Titelkupfer und Text zwar als poetologische Allegorie des weltkritischen Satirikers, jedoch nicht des simplicianischen Erzahlers, welcher vielmehr erst aufgrund seines Verzichts auf das Zauberding zur notwendigen Selbstsatire fahig wird. Eine saubere Unterscheidung des Ich-Erzahlers vom handelnden Helden ermoeglicht die auktoriale Zuordnung der satirischen Stossrichtung gegen eine verkehrte Welt, die in vieler Hinsicht vom Wahn betrogen wird, wobei auch helles Licht auf Grimmelshausens religioesen Standpunkt fallt. Als moralisches Leitmotiv erweist sich das Prinzip, dass die Sunder von anderen Sundern bestraft werden und dass Gott das Ungluck als Strafe fur die Sunde, mehr aber noch als Angebot zur Besserung verhangt.
Undertittel
Ein Poetologischer Kommentar
ISBN
9783631618127
Språk
Tysk
Vekt
310 gram
Utgivelsesdato
13.4.2011
Antall sider
216