Johannes Picardi von Lichtenberg war zu Beginn des 14. Jahrhunderts eine der prominentesten Personlichkeiten der deutschen Dominikaner. Er war Lektor in Koln, Provinzialprior von Sudwestdeutschland, Professor fur Theologie in Paris im Jahr vor Eckharts zweitem Lehraufenthalt (1310). Seine Karriere verlief parallel zu derjenigen Meister Eckharts, auch wenn ihm daruber hinaus der Schritt zur Bischofswurde gelang. Die hier zum ersten Mal edierten Quaestiones disputatae sind das Ergebnis seiner Lehrtatigkeit am Studium generale der Dominikaner zu Koln. Sie behandeln theologische Themen, wie die Transsubstantiation und die Allmachtigkeit Gottes, aber auch philosophische Fragen, wie die Einheit der substantiellen Form, die Natur der ersten Materie, das Wesen des Lichtes. Johannes zeigt sich von der Lehre des Thomas von Aquin stark beeinflusst und entwickelt seine Antworten im stillschweigenden Dialog mit Dietrich von Freiberg und Eckhart.