Der padagogische Takt gilt oftmals als ein padagogisches Allheilmittel, das die Kluft zwischen erziehungswissenschaftlicher Theorie und padagogischer Praxis zu schlieen imstande ist, das den Forderungen nach Nahe und Distanz des Erziehers gleichermaen Genuge tut und das schlielich auch die Grundparadoxie moderner Padagogik, die Kultivierung bei dem Zwange losen kann. Er ist dabei fast ausnahmslos aus der Sicht des Padagogen diskutiert worden. Fur die Aktualisierung von Fragestellungen ist das mit diesem Begriff artikulierte Erfordernis eines selbstreflexiven Regulativs padagogischen Handelns relevant. Die Kategorie des padagogischen Takts verknupft Fragen nach der Steuerbarkeit und den Grenzen padagogischen Handelns. Sie ist damit sowohl in professionstheoretischer als auch in padagogisch-ethischer Hinsicht von unverzichtbarer Aktualitat fur padagogische Reflexionen. Aus unterschiedlichen Perspektiven werden deswegen in den Beitragen dieses Bandes die theoretische Spannweite, die Moglichkeiten einer empirischen Erforschung, die Geschichte und die Frage nach der Verletzlichkeit des padagogischen Takts erortert. In Bezug auf unterschiedliche Handlungsfelder (Kindheit, Familie, Sozialpadagogik, Schule, Erwachsenenbildung) werden Formen und Probleme eines taktvollen padagogischen Handelns herausgearbeitet. Im Vergleich mit padagogischen Arrangements in Japan zeigt sich, dass taktvolle padagogische Verhaltnisse ganz unterschiedlich strukturiert sein konnen. Zusammen erschlieen die Texte die Kategorie des padagogischen Takts sowohl empirisch fundiert als auch theoretisch differenziert und hochst anschlussfahig an gegenwartige Debatten.