Diese Arbeit versucht, die klassische Disziplin der Erkenntnistheorie,
welche heute in Wissenschaftstheorien aufzugehen droht, wiederzubeleben
durch Rückgriffe auf psychoanalytische Befunde und aphoristische "Gnome"
(griech. "Erkenntnis") - die den philosophischen Mainstream unterirdisch
begleiten - am phämomenologischen Leitfaden von Sartre, Heidegger und Conrad-Martius.
Das Unbewusste gilt seit Freud als missing link zwischen Leib und Seele.
Die Erkenntnisbedingungen und -widerstände kommen nicht nur aus Verstand
oder Gegenstand, sondern auch aus leiblich fundierten Triebkonstellationen.
Dass die Erkenntnis- und Selbsterkenntnisleistungen des menschlichen Bewusstseins
hinterrücks oft mitbestimmt - oder systematisch verzerrt - werden durch
abgewehrte Anteile der Subjektivität, wäre für philosophische Erkenntnistheorien
endlich fruchtbar zu machen, und Aphoristiker waren immer auch de(kon)struierende
Ur-Analytiker des Unbewussten hinter rationalisierenden Bewusstseinsfassaden.