Im Deutschland der 2020er geht es gefuhlsbetont zu. Achtsamkeit, Echtheit, Spontaneitat, Verletzbarkeit, Zugewandtheit sind moralische Hochwertworter geworden. Dies gilt fur politisch-mediale Selbstdarstellungen wie fur den alltaglichen Sprachverkehr. Zugleich verstehen sich die gefuhlsbewuten Milieus als burgerlich, als gutburgerlich, als gute Gesellschaft, ja als Burgergesellschaft. Die Bedeutung von Burgerlichkeit hat sich dabei stark verandert. Nicht mehr Besitz oder Bildung, sondern ein ethisch vertretbares Empfinden und ein damit verbundener Gerechtigkeitssinn verheien gesellschaftliche Reputation. Eine neue Elite ist entstanden, die traditionell burgerliche "e;Mitte"e;-Positionen besetzt und zugleich kulturerneuernd wirken will. In Gefuhlte Burgerlichkeit beleuchtet Jurgen Groe dieses Phanomen historisch und kritisch. Die geschichtlichen Linien werden von der burgerlichen Empfindsamkeit im Aufklarungszeitalter bis zu aktuellen Kampfbegriffen wie Schneeflocken , Wutburger und Emporungskultur gezogen.