Seit der Finanzkrise von 2008 gibt es eine offentliche Diskussion uber die Bedeutung der Schulden fur das menschliche Leben und Zusammenleben. Der verschuldete Mensch lebt im Spannungsfeld von okonomischen Schulden und moralischer Schuld. Im Lauf der Zeit und unter dem Druck der Verhaltnisse hat er die verhangnisvolle Lektion gelernt, sich fur seine Schulden schuldig zu fuhlen. Das hat auch in der Literaturgeschichte Spuren hinterlassen. In Werken von Shakespeare und Lessing, Keller und Flaubert, Nietzsche und Dostojewskij, von Ibsen, Brecht oder Durrenmatt erhalt das Leben in und mit Schulden individuelle Kontur. Mit Blick auf die Moglichkeiten und Grenzen unterschiedlicher literarischer Darstellungsformen zeigen sich Handlungsspielraume, die sich dem verschuldeten Menschen trotz oder gerade wegen der ungesicherten Verhaltnisbestimmung von Schulden, Schuld und Schuldigkeit eroffnen.