Johannes Gutenbergs bewegliche Lettern waren keine technische Kuriositat - sie waren eine Machtverschiebung. Innerhalb weniger Jahrzehnte brach das klerikale Monopol auf Texte zusammen, Reformation wurde druckbar, Wissenschaft reproduzierbar, Autoritat infragestellbar. Doch die Revolution verlief anders als geplant. Dieses Buch verfolgt die Druckerpresse von Gutenbergs verschuldeter Mainzer Werkstatt uber venezianische Druckerzentren bis zur reformatorischen Flugschriftenflut und fragt: Wer profitierte wirklich? Wie reagierten Kirche, Universitaten und Fursten auf unkontrollierte Textverbreitung? Welche Zensursysteme entstanden? Und warum fuhrte mehr Information nicht automatisch zu Aufklarung, sondern zunachst zu konfessionellen Burgerkriegen?Gestutzt auf Druckerzeugnisse, Zensuredikt und Korrespondenzen zeigt dieses Buch, dass technologische Revolutionen keine linearen Fortschrittsgeschichten sind sondern Kampfe um Deutungshoheit mit offenem Ausgang.