Einfluss-Lust statt Einfluss-Angst: Der Band untersucht das Phanomen emphatischer Intertextualitat als asthetische Antwort und Gegenmodell zum allgegenwartigen Originalitatsparadigma in der modernen Lyrik. Entgegen der starken These von der Einfluss-Angst (Bloom) und dem poststrukturalistischen Diktum einer subjektlosen und rein in der Struktur des Geschriebenen selbst (Derrida) enthaltenen Intertextualitat beziehen sich viele Gedichte des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart programmatisch und poetologisch motiviert auf individuelle literarische Vorbilder. Lyrische Fallstudien (u.a. zu Hugo von Hofmannsthal, Robert Walser, Bertolt Brecht, Franz Josef Czernin oder Marie-Therese Kerschbaumer) renommierter Literaturwissenschaftler erkunden ebenso wie Dichtergesprache mit zeitgenossischen Autoren unterschiedliche poetische Formen und Implikationen einer solchen emphatischen Intertextualitat und beleuchten ihr Verhaltnis zur Forderung nach Originalitat, die sich in der Moderne als asthetisches Dogma herausgebildet hat. Close readings fordern Poetiken zu Tage, die sich der scheinbar scharfen Antithese von epigonaler Kontinuitat oder innovativem Bruch mit der Tradition verweigern und gerade in dem zur Schau gestellten Bezug auf dichterische Vorbilder ihre poetische Sprengkraft enthullen.