Arztliches Denken und Handel im historischen Wandel, von der Einfuhrung des Buchdrucks bis zu den Anfangen der Radiumtherapie. Ob am Krankenbett, in der Vorlesung, bei Obduktionen oder der Zulassung neuer Therapien stets steht der Fall im Zentrum medizinischen Wissens. Doch was genau ist ein Fall? Und wie pragt er seit Jahrhunderten arztliches Denken, Entscheiden und Handeln? Volker Hess verfolgt die Geschichte des Fall-Machens uber 500 Jahre hinweg: von den fruhneuzeitlichen Kollektaneenbuchern uber Thomas Sydenhams Krankheitsklassifikationen bis zum merkwurdigen Fall der Schneeberger Lungenkrankheit. In zwei Erzahlstrangen verfolgt er die erkenntnistheoretischen Funktionen des Falls am Krankenbett (Individualisieren, Generalisieren, Lehren) und die Handlungsfelder jenseits der Klinik (offentlicher Gesundheitsdienst, Rechtsprechung, Zivilgesellschaft) und zeigt, wie sich die Medizin die Welt zum Fall macht, um Wissen in Handeln zu ubersetzen von der Behandlung eines Einzelnen bis zum Dienst an der Allgemeinheit.