In einer zunehmend von Polarisierung, sozialer Ungleichheit und dem vorgeblichen Recht des Starkeren gepragten gesellschaftlichen Debatte verkommt Kultur zu einem politischen Kampfbegriff, dem die neue Buchreihe Das Unbehagen in der Kultur kritisch entgegentritt. Den Auftakt bildet Sigmund Freuds gleichnamiger Klassiker aus dem Jahr 1930, der neben einer luziden Auseinandersetzung mit dem modernen Kulturbegriff auch die gesellschaftliche Dimension von Gewalt, Liebe oder Freiheit diskutiert. Auch eine erschreckend zeitlose Warnung fu r unsere Gegenwart halt Freud bereit: Die Schicksalsfrage der Menschenart scheint mir zu sein, ob und in welchem Ma e es ihrer Kulturentwicklung gelingen wird, der Storung des Zusammenlebens durch den menschlichen Aggressions- und Selbstvernichtungstrieb Herr zu werden. Die Neuedition wird erganzt durch ein ausfu hrliches Nachwort der vielfach ausgezeichneten Schriftstellerin und Historikerin Dana von Suffrin, die auch in ihrem literarischen Werk Gegenwartsdiagnostik mit psychoanalytischem Tiefensinn verbindet.