Der 17jahrige, unbedarfte I.R. mit teilweise noch kindlich-kindischen Liebesvorstellungen und ohne viele Vorkenntnisse sich orientierend in der geistigen Welt, verliebt sich in die Mitschulerin C. aus besseren Kreisen, die sich - zeitgema sehr zuruckhaltend - auf ihn einlat, jedoch parallel bereits ein ahnliches Verhaltnis zu einem anderen jungen Mann unterhalt. Bald beginnt er ihr Briefe zu schreiben. Sein Verstandnis der Liebe ist auf der Grundlage eines isolierten, kompensierenden Ichs idealistisch auf die Spitze getrieben, entstanden unter dem Einflu der in den 1950er Jahren dominierenden moralischen Normen und Auffassungen sowie gangigen Erzahlungen von der Liebe z.B. in Film und popularer Musik. Er erweist sich hierin als Kind seiner Zeit. Er versteht sich als kommenden Dichter. (Uberwiegend romantische) Einflusse, auch schwarzer Romantik, bezieht er aus Vorbildern um 1800 und 1900. Bald verla t C. die Stadt, um auswarts zu studieren. Er uberschuttet sie wahrend zweier Jahre mit Briefen, die charakterisiert sind durch die Ubersteigerung seiner Gefuhle bis hin zu abseitigen Ideen mit pathologischen Anteilen. Die Gedankenfuhrung ist manchmal unklar, verkurzt, skizzierend, nicht immer nachzuvollziehen. Weniger der Liebes-Inhalt des Mitgeteilten als die Sprache ist bemerkenswert: einerseits stilbewu t, reflektierend, (schein-)philosophisch grundiert, andererseits poetisch mit Resten von Umgangssprache oder auch unverstandlich durch eine eigene unscharfe Begriffswelt. Das Erscheinen eines dritten Verehrers (die Beziehung zum konkurrierenden zweiten bricht die junge Frau ab) versetzt den Briefschreiber in extreme Gefuhlslagen wie sogar Totungsphantasien; dies umso mehr, als er sowieso von einem gemeinsamen Tod als Erfullung der Liebe uberzeugt zu sein scheint. Er schreibt sich selbst von Anfang an zu, vielleicht wahnsinnig zu werden oder in Ansatzen es schon zu sein.