1. Problemstellung Zu Beginn der 80er Jahre beherrschte der "freeze"-Vorschlag aus den Reihen der amerikanischen Friedensbewegung wie kaum ein anderes Thema das politische Geschehen in den USA. Die im Zusammenhang mit der Idee aufgeworfenen Fragen zur Abrustungs-und Sicherheitspo litik der Reagan-Administration beschaftigten zahlreiche Friedensorga nisationen gleichermassen wie Politiker und weite Teile der Bevolkerung. Diese Entwicklung war im Hinblick auf die Bedeutung der Friedensfrage einerseits begrussenswert; andererseits trugen nur wenige Beitrage zur Versachlichung der Rustungskontrollproblematik insgesamt bei, da sie von Emotionen bestimmt waren und die wesentlich komplexeren Zusammenhange schlicht ignorierten. Politische Debatten in offenen Gesellschaften neigen in dem Masse zur Polarisierung, Simpliftzierung und Radikalitat, wie die ihnen zugrundeliegende Problematik von Emotionen bestimmt wird. Die Dis kussion uber den "freeze"-Vorschlag hat alle diese Charakteristika deut lich hervorgebracht, da jede der opponierenden Seiten sie mit einem kompromisslosen Absolutheitsanspruch fuhrte. Auf der einen Seite be trachteten jene radikalen "freeze"-Gruppierungen der Linken die Sicher heitspolitik der Reagan-Administration insgesamt und speziell die von ihr entwickelten Strategiekonzepte als grosste Bedrohung fur den Welt frieden in der Geschichte der Menschheit und forderten grundsatzlich die Uberwindung der bestehenden politischen Ordnung; auf der anderen Seite hielten Vertreter des rechten politischen Randes in den USA die "freeze"-Bewegung schlicht fur das Produkt einer Desinformationskam pagne des KGB, die die einseitige Abrustung der USA zum Ziel hatte. Unter diesem Aspekt stand nicht die Stabilitat des strategischen Gleich gewichts und die Glaubwurdigkeit des Abschreckungskonzepts auf dem 11 Spiel, sondern das Uberleben der menschlichen Freiheit und des politi schen Liberalismus."