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Musik im Marchen

81,40 €

Musik bewegt zum Tanz, manchmal bis zum Umfallen. Sie lasst uns eintauchen in fremde Welten, uberwindet Grenzen, erweckt Sehnsuchte und Begehren, durch die die Entwicklung einer Geschichte oft erst in Gang kommt. Uber dreihundert europaische Volksmarchen untersuchte Rosemarie Tupker auf der Spur des Musikerlebens fruherer Zeiten, jenseits der Hofe und Palaste. Neben Bekanntem stie sie dabei auch auf Verbluffendes: Musik deckt als Zeugin langst vergangene Verbrechen auf oder leistet - ganz modern - einen Beitrag zur Identitatsfindung. Der vergleichenden Untersuchung vorangestellt sind ausfuhrliche, tiefenpsychologische Analysen von drei ausgewahlten Musikmarchen: Die Erschaffung der Geige"e;, Das Eselein"e; und Der Sohn kampft gegen den Vater"e;. Durch eine erstmals an Marchentexten erprobte intersubjektive Methode aus der Morphologischen Psychologie werden dabei durch die Einfalle von Horern aktuelle Bezuge zum Verstandnis der Marchen in unserer Zeit geschaffen.Ein Register mit den 329 untersuchten Marchen macht dieses Buch ganz nebenbei zu der bisher umfassendsten Sammlung europaischer Marchen, in denen Musik vorkommt.Das Buch ist eine Fundgrube fur Marchenforscher, Musikwissenschaftler und Psychologen. Aber auch, wer Marchen einfach spannend findet und sich fur Musik begeistert, kann mit diesem Buch aufregende Entdeckungen machen und sich zu einer vollig neuen Sichtweise auf vermeintlich altbekannte Marchen inspirieren lassen.Marchenausschnitte: Hierauf sperrten die Diener des Konigs den Jungling in einen dunklen Kerker. Kaum da sie die Tur zugesperrt hatten, da wurde es hell und die Feenkonigin Matuya erschien, die den Armen in Bedrangnis hilfreich zur Seite steht. Sie sprach zum Jungling: Sei nicht traurig! Du sollst noch die Konigstochter heiraten! Hier hast du eine kleine Kiste und ein Stabchen! Rei mir Haare von meinem Kopf und spanne sie uber die Kiste und das Stabchen! Der Jungling tat also, wie ihm die Matuya gesagt hatte. Als er fertig war, sprach sie: Streich mit dem Stabchen uber die Haare der Kiste! Der Jungling tat es. Hierauf sprach die Matuya:. Diese Kiste soll eine Geige werden und die Menschen froh oder traurig machen, je nachdem wie du es willst. Hierauf nahm sie die Kiste und lachte hinein, dann begann sie zu weinen und lie ihre Tranen in die Kiste fallen."e; (Die Erschaffung der Geige, Romamarchen) Dieser Spielmann fiedelte so, dass alles tanzen mute, wenn er aufzuspielen begann. Sogar die Toten erwachten auf ihren Bahren. Lustig tummelten sie sich im Reigen."e; (Die sechs Faulpelze und Prinzessin Goldhaar, Frankreich) Als die Kuhe den Klang der Flote horen, spitzen sie die Ohren, sie fangen an zu tanzen, es tanzt die Wiese, es tanzen die Walder, die Flusse, auch die Berge - alles tanzt, weil es eine Zauberflote ist."e; (Der Aga und seine Schlauheit, Griechenland) Da er noch nicht einschlafen konnte, zog er seine Mundharmonika aus der Tasche und fing an, sich eins zu spielen. Bis er mit der Harmonika im Munde einschlief. Aber bald wachte er wieder auf durch ein Rascheln. Als er den Kopf drehte, sah er am Tisch ein schones Madchen stehen. Sie hatte ihr Haar gelost und flocht es vor dem Spiegel in zwei dicke Zopfe. Das Haar fiel ihr bis uber die Huften und glanzte im Licht so, als stande es im Feuer... Es was so schon, dass er merkte, es war kein irdisches Madchen, sondern ein Geisterwesen."e; (Die Mundharmonika, Skandinavien) Da ging der Konigssohn hinauf, machte das Fenster auf und fing auf seiner Flote zu spielen an. Das horte gegenuber im Schloe die Prinzessin, und an dem Tone und der Melodie erkannte sie, da der gekommen war, welcher sie aus den Handen der Rauber befreit hatte."e; (Der Konigssohn mit der goldenen Kette, Deutschland) Als es die Musik horte richtete sich das kleine Ding, das bisher in seiner Wiege mauschenstill gelegen hatte, in die Hohe, grinste und verdrehte sein garstiges Gesicht, focht mit seinen langen, braungelben Armen in der Luft umher, streckte seine krummen Beine heraus, kurz, gab alle Zeichen der groten Freude uber die Musik von sich. Es hatte auch nicht eher Ruhe, als bis es die Pfeifen in seine eigenen Hande bekam... Er setzte die Pfeifen an, nahm Balg und Sacke unter die Arme und handhabte beides, als ware er schon zwanzig Jahre dabei gewesen und blies ein wohlbekanntes Lied, da es eine Art hatte. Jedermann war im groten Erstaunen und die arme Mutter bekreuzigte sich."e;(Der kleine Sackpfeifer, Irland) Aber Musikanten sind immer durstig und der gute Hugh wurde nicht nuchtern, solang es etwas zu trinken gab und zu trinken gab es dazumal immer, in den guten Zeiten von Irland."e; (O'Donoghues Dudelsack, Schottland)

ISBN
9783752001235
Kieli
saksa
Julkaisupäivä
1.1.2011
Sivumäärä
320