Im Westen Weirusslands, 85 km sudwestlich von Minsk, liegt die Kleinstadt Mir. Geschichtlich nicht allzu bedeutsam, war das Stadtchen jahrhundertelang Schauplatz einer ethnisch-religiosen Vielfalt, die aus heutiger Sicht erstaunlich scheint. Darin war Mir seinerzeit naturlich kein Solitar, daher dient es dem Verfasser hier als Vertreter einer Lebenswelt ganz eigener Art, die diesen und andere Siedlungsorte in der fruhen Neuzeit pragte. (deg)(deg)Noch heute zeugt das Stadtbild Mirs von der jahrhundertelangen Koexistenz von Katholiken, Orthodoxen, Juden und Muslimen, Slawen und Nichtslawen. Unter welchen Voraussetzungen und unter wessen Agide konnte sich eine derartige multikulturelle Gemengelage entfalten und uber einen langeren Zeitraum erhalten? Wie kamen die unterschiedlichen Sprach-, Religions- und Standesgemeinschaften miteinander aus, in denen ja keineswegs die gleichen Gesetze fur alle galten, geschweige denn dieselben Normen und Werte? Wie stark oder schwach waren die Grade sozialer und kultureller Segmentierung ausgepragt? (deg)(deg)Angetrieben von diesen Fragen versucht Roland Scharff, die weien Flecken in seiner eigenen "e;historischen Landkarte"e; und der anderer Geschichtslaien zu fullen.(deg)(deg)