Die europaische Faszination fur das Primitive um 1900 grundete in der Begegnung mit einer Form von Kultur, die genau jenes mediale Apriori nicht besa, das bis zum Aufkommen technischanaloger Medien das Leitmedium der eigenen Kultur gewesen war: die alphabetische Schrift. Die (alphabet-)schriftlosen Volker wurden nicht nur zum Objekt und Erprobungsfeld des wissenschaftlichen Einsatzes neuer analoger Medientechniken jenseits der alphabetischen Schrift, sie dienten zugleich auch als Metapher und Reflexionsfigur jener Medien selbst. Die medialen Bedingungen der Produktion von Wissen uber das Primitive und der primitivistische Diskurs uber die neuen Medien sind unmittelbar miteinander verknupft.