Mkrtitsch Armen (1906-1972) schuf mit Jerewan einen Roman, der einerseits als Hommage an die alte Metropole Jerewan und ihre vielfaltige Kultur, und andererseits als Kritik an der autoritaren Umgestaltung des Stadtbilds gelesen werden kann. Jerewan soll in den 1920er Jahren neu geplant werden - vermessen, entworfen, abgerissen und wieder aufgebaut. Arschak Budarjan, in Leningrad ausgebildeter Architekt, kehrt fur diese Aufgabe in die geliebte Stadt seiner Herkunft zuruck. Doch in Jerewan werden die asthetischen und politischen Fragen der Zeit ausgetragen: Soll der Fortschritt radikal die Wurzeln ausreien und etwas ganzlich Neues schaffen? Oder soll er sich an der Wurzel die Kraft holen fur eine Modernisierung, die das Bestehende bewahrt und schutzt? Arschak Budarjan und sein doppelgangerhafter Antagonist Gurgen Parsadanjan setzen wie in einem Schachspiel Zug um Zug, um am Ende mit ihrer Vision als Sieger aus dem Kampf hervorzugehen. Doch zu welchem Preis?Auf dem Spielfeld der Stadt im Umbruch fuhrt Mkrtitsch Armen diese weltanschauliche Auseinandersetzung auf. Er beschwort das alte Jerewan und seine Bewohner, das Leben auf den Stra en und in den Hausern herauf, er gibt sich den Traumen hin, wahrend die Abrisstruppen schon unterwegs sind und die Schonheit der traditionellen orientalischen Welt dem Untergang geweiht ist. Susanna Yeghoyans Ubersetzung dringt bis in die Winkel und Schlupflocher der Stadt und der Sprache, bringt den Erzahlrhythmus eindringlich ins Deutsche und lasst uns beim Lesen die Stadt in rauschhafter Wahrnehmung und standig wechselnden Perspektiven erleben.