In diesem Buch fur Angehorige und Interessierte, Padagogen und Therapeuten wird der Frage nachgegangen, in welcher Weise das Symbolisierungsvermogen blinder Kinder im Vorschulalter durch Musiktherapie gefordert werden kann, d.h. wie hochgradig sehgeschadigte oder blinde Kinder darin unterstutzt werden konnen, Menschen und Gegenstanden Bedeutung zu geben, wenn diese doch im Erleben der Kinder so oft unerwartet erscheinen oder verschwinden. Es werden anhand von Fallbeispielen vier Entwicklungsphasen unterschieden und dargestellt. Am Beginn der musiktherapeutischen Arbeit steht die Herausforderung einer spezifischen intermodalen Kontaktaufnahme und das Entstehen von Erwartungen seitens des blinden Kindes. Die Autorin beschreibt die Anfange erster Unterscheidungen zwischen Ich"e; und Nicht-Ich"e;, der Entwicklung einer Szene"e; und dem Hinzutreten eines Dritten"e;. Die zweite Phase steht ganz im Zeichen der Existenz unverbunden erscheinender Elemente: der als fragmentiert erlebten Welt entspricht das Spiel des Kindes mit einzelnen Tonen und Worten, die in dem Moment als etwas Reales wahrgenommen und bedeutend werden, als das Kind bemerken kann, dass etwas Erwartetes (wie das Fortlaufen eines Rhythmus') nicht eintritt. Die dritte Phase beschreibt das Kind, das sich in verschiedenen Rollen seiner eigenen Geschichte darstellt und Krankungen im gemeinsamen Spiel mit Rhythmen und Melodien darstellen und selbst bearbeiten kann. In Phase vier wird der Fokus erweitert und der Blick des sehenden Menschen auf das blinde Kind reflektiert: da, wo der visuelle Kontakt nicht stattfindet, bleiben blinder und sehender Mensch gleichermaen allein. Welche Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes so (in Form sekundarer Behinderungen) entstehen konnen und wie (musiktherapeutisch) interveniert werden kann, wird diskutiert.Das vorliegende Buch basiert auf den Erkenntnissen einer Grundlagenforschung psychoanalytisch orientierter Musiktherapie mit sechs blinden und hochgradig sehgeschadigten Kindern im Alter zwischen 2,5 bis 7 Jahren. Da bisherige Forschungen zur Musiktherapie mit blinden Klein- und Kindergartenkindern zumeist im anglo-amerikanischen Raum stattfanden und verhaltenstherapeutisch orientiert sind, existiert diese Arbeit bisher als einzige ihrer Art im deutschsprachigen Raum.