Die Briefe des Ignatius von Antiochien werden bisher dahingehend interpretiert, daß sie Belange innerhalb der Kirche untersuchen. Ihre Sprache wird als Ausdruck des Juden-Christentums des zweiten Jahrhunderts bzw. als eine Antwort auf den Valentianismus gelesen, ohne direkten Bezug zur den Autor umgebenden heidnischen Kultur. Allen Brent analysiert die Sprache der Briefe und weist nach, daß sie argumentativ und vom Aufbau her zum Umfeld der heidnischen griechischen Städte Kleinasiens während der zweiten Sophistik gehören. Ignatius' Hintergrund findet sich sowohl im Diskurs der hellenischen Autonomie gegen Rom als auch in den bilderreichen Mysterienkulten der Städte, an die er sich wendet. Ignatius ist beeinflußt vom Ideal einer Einheit der gemeinsamen Kultur, die sich in Verfassungen und Kulten ausdrückt. Allen Brent zeigt dies anhand von literarischen, epigraphischen und ikonographischen Belegen.