Am 7. Oktober 2023, dem Tag des Angriffs der Hamas, eskaliert nicht nur die Gewalt gegen die Einwohner:innen im Suden Israels. Weltweit werden Menschen auch Zeug:innen einer Eskalation der Bilder. Mit an Helmen und Uniformen befestigten Kameras filmen die Terrorist:innen ihre Graueltaten und streamen sie live. Zivilist:innen in Gaza laden demutigende Filme ins Netz, die entfuhrte und ermordete Israelis zeigen. Aber auch die Betroffenen, Bewohner:innen von Kibbuzim und Besucher:innen des Nova-Festivals, dokumentieren die Gewalt. Manche dieser Fotos und Videos sind die letzten Zeugnisse kurz darauf ausgeloschter Leben. In seinem Essay verdeutlicht Tobias Ebbrecht-Hartmann, warum es notwendig ist, diese Bilder anzuschauen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, ihren Bezugen nachzugehen und sie in resonante Beziehungen zu fruheren Gewalterfahrungen, insbesondere der visuellen Geschichte der Shoah, zu bringen, wenn man ihre Bedeutung als bildgewordene Gewaltakte und damit die spezifische Qualitat der genozidalen Gewalt des 7. Oktober verstehen mochte. Diese Aufnahmen sind nicht nur Bilder der Gewalt, sondern manifestieren die an diesem Tag eskalierende Gewalt als Bild. Die Bilder und Videos haben eine doppelte Erniedrigung der Opfer zum Ziel: Es geht nicht nur um die Dokumentation der physischen, sondern auch um die Ausubung von symbolischer Gewalt, die ganz deutlich auf die visuelle Geschichte von Gewaltbildern Bezug nimmt. Auch wenn viele vor den Bildern lieber die Augen verschlie en oder sie in den Archiven gegenwartiger und vergangener Konflikte ablegen mochten, bleibt es notwendig, der Gewalt als Bild standzuhalten.