Aufmerksamkeit ist weit mehr als Ressource und Mangelware. Sie artikuliert sich im Zusammenspiel von Raumen, Gegenstanden, Korpern und Bewusstsein und ist damit grundlegend fur individuelles und gesellschaftliches Handeln und Erleben. Krankheiten, Krisen und Konflikte der Aufmerksamkeit bilden einen zentralen Aspekt, mit dem sich die gegenwartigen westlichen Gesellschaften selbst beschreiben. Im Gegensatz zu gangigen kulturwissenschaftlichen Interpretationen betrachten die AutorInnen des Bandes die Geschichte der Aufmerksamkeit jedoch nicht als eine Geschichte des Niedergangs. Stattdessen stellen sie Aufmerksamkeit als Grundlage und Produkt individueller und kollektiver Praktiken vor, die vom Spatmittelalter bis in die Gegenwart reichen und die so unterschiedliche Kontexte wie architektonische Gebilde, das Borsengeschehen, die Ratgeberliteratur oder den Raum eines fiktionalen Textes betreffen.