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Die Figur des Dritten

Unter Antisemitismus wird ein negatives Judenbild verstanden. Das ist sicher richtig, doch verkurzt es das Phanomen. Denn das abwertende Judenbild tritt nicht isoliert auf, sondern ist stets auf ein kollektives Selbstbild bezogen. Dabei handelt es sich nicht um den rassistischen Gegensatz von Eigenem und Fremden . Vielmehr wird im antisemitischen Judenbild ein Dritter entworfen, der diesen Gegensatz unterlauft. Der Jude verkorpert nicht wie der Fremde eine andere minderwertige Gemeinschaft, sondern das zersetzende Gegenbild aller Gemeinschaft. Der Schlussel zum Verstandnis des Antisemitismus ist die Figur des Dritten und ihr Bezug auf ein kollektives Selbstbild. Das ermoglicht eine klare Antwort auf die Frage, wo die Grenze zwischen Antisemitismus und Kritik der israelischen Politik zu ziehen ist. Dieses Buch schlie t damit gesellschaftstheoretische Grundfragen auf: nach Rassismus und Antisemitismus, nach Gemeinschaft und Gesellschaft, nach Kommunikationslatenz und postnazistischem Nationalismus. Klaus Holz und Jan Weyand leisten einen entscheidenden Beitrag zu einer bis heute ausstehenden Soziologie des Antisemitismus: Mit ihrem Zugang lasst sich zeigen, dass die Geschichte antisemitischer Zuschreibungen auf der Dynamik kollektiver Selbstbilder basiert.

ISBN
9783987221101
Kieli
saksa
Julkaisupäivä
11.5.2026