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Die Baugeschichte der Sophienkirche in Sofia

200,40 €

Die einzigartige Architektur gibt der Sophienkirche in Sofia eine herausragende Bedeutung nicht nur fur die Geschichte der Stadt, die den Namen der Kirche ubernommen hat, sondern auch fur die Architekturgeschichte des Balkanraumes und des byzantinischen Reiches. Trotzdem fehlte bisher eine sowohl den Forschungsstand kritisch durchdringende als auch grundliche Untersuchung dieses Monuments. Mit der umfassend angelegten Studie zur Baugeschichte der Sophienkirche wird diese Lucke auf uberzeugende Weise geschlossen.Eine eingehende Sichtung und kritische Auswertung der bisherigen Publikationen uber die Sophienkirche hat ergeben, dass sie trotz ihrer Fulle viele Probleme aufgeworfen und Fragen unbeantwortet belassen haben. Zunachst fallen die widerspruchlichen Datierungen dieses Bauwerks auf, die vom 5./6. bis zum 12. Jahrhundert schwanken. Als Folge dieser kontroversen Datierungen wird der Schlusselbau auch in ein jeweils ganz unterschiedliches kulturgeographisches Beziehungsgeflecht eingeordnet. Oft scheint es, als wurden die gewahlten kunsthistorischen und archaologischen Methoden selektiv angewendet, um die eine oder die andere der gegensatzlichen Positionen zu untermauern. Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es, den baugeschichtlichen Standort der Sophienkirche zu bestimmen und dadurch ihre Bedeutung im Rahmen der byzantinischen Architektur herauszuarbeiten. Dabei gilt es, zunachst die Entstehungszeit und das ursprungliche Aussehen des Baus, womoglich auch seinen Stifter zu bestimmen sowie die spateren Bauphasen zu differenzieren und sie zeitlich einzugrenzen. Um alle diese Fragen zu beantworten, wurde die folgende Vorgehensweise gewahlt: Zunachst wurde die Lage des Baus im Verhaltnis zur Stadttopographie untersucht, vertiefend erfolgte eine detaillierte Befundaufnahme und Analyse der Vorgangerstrukturen der Sophienkirche. Der Kernteil der Arbeit bildet eine eingehende Bauaufnahme. Sie umfasst einerseits eine grundliche Auswertung der bestehenden Struktur, die auf eigenen Beobachtungen an dem Bau basiert, gestutzt auf neuen unpublizierten Planen und photogrammetrischen Aufnahmen und untermauert durch eine Vielzahl eigener Fotografien. Andererseits wurde eine kritische Neuauswertung alterer archaologischer Berichte und Baubeschreibungen, sowie alter Fotos herangezogen. Auf dieser Grundlage und der Analyse der Befunde wurden unterschiedliche Bauphasen differenziert, sowie das ursprungliche Erscheinungsbild der Sophienkirche herausgearbeitet. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse wurden die Struktur, die Raumdisposition und die architekturhistorische Stellung des Ursprungsbaus im Vergleich mit anderen Monumenten aus dem Balkan und dem breiteren Bereich des Byzantinischen Reiches analysiert. Es lie sich dabei eine ziemlich genaue Datierung des Ursprungsbaus festlegen, den Bauvorgang teilweise nachverfolgen, die Funktion des Baus feststellen sowie Hinweise auf seinen Stifter gewinnen. Am Ende konnte mit Hilfe der wenigen mittelalterlichen Quellen und vor allem der zahlreichen Reiseberichten aus dem Zeitraum zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert die spatere Geschichte des Baus verfolgt werden. Die eingehende Untersuchung der Baugeschichte der Sophienkirche in Sofia zeigt neue - von der bisherigen Forschung betrachtlich abweichende - Ergebnisse: Sie wurde als Nachfolgerin von zwei nacheinander existierenden Bauten errichtet. Der erste Kultbau an dieser Stelle entstand erst nach 355 und nicht bereits am Anfang des 4. Jahrhunderts. Der Bau stand in engem Zusammenhang mit einer daneben liegenden Grabkammer, deren Grabinhaber als hochangesehene Personlichkeiten identifiziert wurden und die moglicherweise fur die Errichtung des Baus verantwortlich waren. Der Altarraum des Kultbaus und die Grabkammer entwickelten sich zu einem heiligen Ort. Nach der Zerstorung des ersten Kultbaus wurde in der Mitte oder in der zweiten Halfte des 5. Jahrhunderts daruber eine groere Kirche errichtet. Dieser Bau durfte wahrend des 6. Jahrhunderts bestanden haben; die Zeit seiner Zerstorung bleibt unklar, aber man darf annehmen, dass der Bau im 7. Jahrhundert bereits auer Gebrauch kam. Wahrend dieser Zeit zieht sich das gesellschaftliche Leben aus Grunden der wachsenden Unsicherheit des unbefestigten Territoriums infolge der Slawen- und Awarenangriffe hinter die Festungsmauern zuruck.Die Lage der Kirche auerhalb der Stadtmauer sowie die Evidenzen, die der Bau bis zum heutigen Tag aufbewahrt hat, zeigen die Sophienkirche als einen Memorialbau, in dem der Stifter seine letzte Ruhestatte in einer monumentalen Grabkammer unterhalb des Narthex fand. Verschiedene Indizien bringen den Bauherren in Verbindung mit der kaiserlichen Familie in Konstantinopol, was die Bedeutung der Sophienkirche zusatzlich erhoht. Sie sollte nicht nur das Grab des Stifters aufnehmen und seinen personlichen Ruhm verewigen, sondern auch die Macht und die Herrschaft des Byzantinischen Reiches uber diese Gebiete zur Schau stellen. Die Errichtungszeit reicht von der Mitte des 8. Jahrhunderts bis ins Jahr 811. Es ist die Periode des byzantinischen Bilderstreits - eine Zeit, welche die Wissenschaft immer noch die dunkle nennt, einerseits weil die schriftlichen Quellen keine bzw. verfalschte Informationen daruber liefern, andererseits weil nur wenige Monumente aus dieser Zeit erhalten bzw. nachweisbar sind. Durch die Datierung der Sophienkirche in diesen Zeitraum wird fur die Wissenschaft ein Monument wiedergewonnen, das ein betrachtlicher Beitrag fur das Studium und das bessere Verstandnis dieser Zeit leistet. Allein darin zeigt sich die groe Bedeutung der Sophienkirche in Sofia, nicht nur fur die Geschichte der Stadt und die Architektur Bulgariens, sondern auch und vor allem fur die byzantinische Architektur.

ISBN
9783954908592
Kieli
saksa
Julkaisupäivä
1.1.2011
Sivumäärä
416