Karl Aloys Schenzingers Roman Anilin ist nach Mein Kampf der zweitgrote deutschsprachige Bestseller der Jahre zwischen 1933 und 1945. Anders als Hitlers autobiographische Propagandaschrift ist der Roman uber die Geschichte der Farbstoffchemie, den Millionen Menschen gelesen haben, bisher kaum erforscht. Die vorliegende Studie rekonstruiert anhand von Anilin und anderen erfolgreichen Buchern mit Stoffbezug"e;, deren Thema die Syntheseprodukte, Kunstfasern, Medikamente und vieles andere sind, wie durch diese Stoffe ein neuartiges Verhaltnis zum eigenen deutschen' Raum entsteht. Die Popularkultur im Umfeld der NS-Wirtschaftspolitik wird als Akteurin eines deutschen Kolonialismus ohne Kolonien identifiziert und die hier erstmals erforschte Textsorte der Bucher mit Stoffbezug"e; als zentral beteiligt erkannt. Dadurch wird die Lucke in der Erforschung der deutschen Kolonialgeschichte zwischen der Machtubergabe und den Angriffskriegen des Zweiten Weltkriegs weiter geschlossen.