Glanz und Elend der Bravour. Die Untersuchung setzt zur Hoch-Zeit der Bravura im 17. Jahrhundert an. Der Begriff wird an seiner Beschreibungskompetenz hinsichtlich einer kunstlerischen Haltung bemessen, die sich in der bildnerischen Praxis artikuliert: die der ambitiosen Mutwilligkeit. Hierunter wird die Manifestation einer kunstlerischen Setzung um ihrer selbst Willen verstanden, die den Rahmen der Reprasentation sprengt, um sich einen Spielraum fur kunstlerische Selbstdarstellung zu schaffen. In der exponierten Feier seiner selbst wird der Applaus vorausgesetzt; er ist dem Werk - wie dem musikalischen Bravourstuck - bereits als Anspruch eingeschrieben. Der sich abzeichnende Kunstbegriff wird mit seiner Kritik, die zunehmend im 18. Jahrhundert laut wird, konfrontiert. Die Verdammung der Bravura entzundet sich an ihrer riskanten Seite, die einerseits das Heroische des concetto begrundet, andererseits sich der Gefahr des Scheiterns allzu unbedacht ausliefert. Das Umschlagen des Heroischen ins Lacherliche, das Abgleiten der hohen Kunst ins Metier, das die kunstlerische Leistung der Bravura bedroht, bedeutet ihr finales Ende.