Die Sophistik, die um die Mitte des 5. Jahrhunderts in Griechenland entstand und gegen Ende des Jahrhunderts ihren Hohepunkt erreichte, bezeichnet die anthropologische Wende der griechischen Philosophie. Im Unterschied zu den ionischen Naturphilosophen erklarten die Sophisten den Menschen zum Ma aller Dinge. Diese von Platon heftig kritisierte und in der Moderne vielfach verkannte und verdammte geistige Bewegung erfahrt in der vorliegenden Untersuchung eine grundlegende Neubewertung: Die Sophisten werden als ungemein anregende, vielseitige, moderne und aktuelle Denker vorgestellt. Klaus Meister wendet sich zunachst den definitorischen Fragen zu, um danach die Lehrmeinungen und Hauptthemen der Sophisten ausfuhrlich vorzustellen und zu erortern. So z. B. die sophistische Ontologie und Erkenntnistheorie, die Universalitat und die polyhistorische Ausrichtung, Bildung, Erziehung, Unterrichtskonzepte, die Bedeutung von Rhetorik, Dialektik, Sprache, Literatur und Dichtung. Anschlieend geht es in diesem einfuhrenden und gut lesbaren Buch um speziellere Themen, wie z. B. das Verhaltnis von positivem Recht und Naturrecht, die Entstehung von Staat, Kultur und Zivilisation, den Gesellschaftsvertrag, die Religionskritik der Sophisten, sophis-tische Okonomie und naturwissenschaftliche Themen. Das letzte Kapitel gilt den Hauptvertretern, namlich Protagoras, Gorgias, Prodikos, Hippias, Antiphon, Thrasymachos und anderen: Leben und Lehre werden hier anhand von Zeugnissen und Fragmenten in Auseinandersetzung mit der Forschung dargestellt; historische Bedeutung und Weiterwirken bis in die Gegenwart aufgezeigt.