Die Sprachsituation im ursprunglichen und aktuellen romanischsprachigen Gebiet Graubundens (Rumantschia) weist eine mannigfaltige strukturelle Komplexitat auf: Mit den Sprachvarietaten Alemannisch / deutsche Standardsprache und romanischer Ortsdialekt / romanische Schreibsprache liegt eine doppelte Diglossiesituation vor, die im Einzelfall noch von personlichen und familiaren Konstellationen uberlagert wird. Das fuhrt bei den Sprechenden zu einem breiten Spektrum von Sprachkompetenzen, die von einer mehrheitlich bundnerromanischen uber eine perfekte bilinguale bis zu einer rein deutschsprachigen Kompetenz reichen. Handelt es sich beim Alemannischen in der Rumantschia um Idiolekte oder neue Dialekte? Und welche Bedeutung haben die Churer-Rheintaler Dialekte im Hinblick auf die Alemannisierung des bundnerromanischen Sprachraums? Oscar Eckhardt stellt mit phonetisch transkribierten Gesprachsauszugen aus 35 Interviews die alemannischen Dialekte von Trin, Trun, Ilanz und Scuol detailliert vor und beantwortet unter anderem die oben gestellten Fragen. Zudem klassifiziert er die gewonnenen Daten aus kontaktlinguistischer Sicht und fasst die wiederkehrenden sprachlichen Merkmale aus dem Textkorpus zu Bundeln zusammen, die das Alemannisch der Rumantschia charakterisieren.