Studienarbeit aus dem Jahr 2022 im Fachbereich Franzosische Philologie - Literatur, Note: 1,0, Universitat Stuttgart, Sprache: Deutsch, Abstract: Was ist die Wahrheit uber Sprache uberhaupt, was macht sie wirklich und ist sie so festgelegt, wie wir oft meinen oder es uns wunschen? Damit beruhrt cantatrice chauve eine weitere Denkrichtung, die im 20. Jahrhundert, also etwa zur selben Zeit, Einzug in verschiedenste geisteswissenschaftliche Disziplinen erhielt: den Konstruktivismus. Er stellt es infrage, sich auf absolute Wirklichkeitsbegriffe zu berufen. Doch inwiefern entdecken wir konstruktivistische Pramissen, auch in Bezug auf die Sprache, in cantatrice chauve? Und kann das Stuck vielleicht sogar als Pladoyer fur den Konstruktivismus gelesen werden?Ionescos La cantatrice chauve wurde am 11. Mai 1950 uraufgefuhrt und reiht sich in die um diese Zeit entstandenen Absurden Dramen ein. Es ist das Erstlingswerk Ionescos, ein Einakter, der gleichsam zu seinen bekanntesten Stucken gehort. Das Absurde Theater bewegt Fragen nach der Essenz der Welt, also dem, was sie ausmacht. So zeigt sich in absurden Stucken die nach zwei Weltkriegen von den Menschen empfundene Orientierungs- und Sinnlosigkeit, was sich auch in Ionescos Werken widerspiegelt. Wie auch die anderen Vertreter des Absurden Theaters stellt er die Absurditat dar, die in der Wirklichkeit wiederzufinden ist. Vor allem in seinen fruhen Stucken, zu denen die cantatrice chauve gehort, zeigt er den Zuschauern eine vollkommen absurde Welt. Dabei bricht er mit theatralischen Konventionen und, besonders in cantatrice chauve, mit allem, was man Sprache zuschreibt und glaubt, uber sie zu wissen. Die Sprache, die traditionell im Theater einen gro en Raum einnimmt, wird bei Ionesco komplett zersetzt, sie wird ad absurdum gefuhrt. Zwar ist sie nach wie vor ein wichtiges Medium, wird aber gleichzeitig auch zum Gegenstand des Stuckes.