Die Utopie der Gemeinschaft beruht auf authentischer Nahe und sozialer Geborgenheit. Sie ist getragen von dem Versprechen, die Zerrissenheit moderner Gesellschaften zu uberwinden. Der romantische Traum einer wahren Gemeinschaft nimmt im 19. Jahrhundert Gestalt an und wird bestimmend fur die meisten der reformpadagogischen Stromungen: Es ist die ursprungliche und unmittelbare Gemeinschaft, die durch Authentizitat und Harmonie gekennzeichnet ist und eine ganzheitliche Entwicklung von Kindern garantieren soll. Diese Vorstellung richtet sich gegen moderne Phanomene wie Industrialisierung, Vereinzelung oder gegen die unmenschlichen Folgen des Rationalismus, deren Ubermacht jede Gemeinsamkeit und Menschlichkeit zerstore. Und auch heute - angesichts verscharfter Optimierungs- und Selektionsforderungen - scheint dieser letztlich gegen die Moderne gerichtete Traum einer harmonischen Gemeinschaft seine Faszinationskraft nicht verloren zu haben. Das ist nach den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts, in dem der Gemeinschaftsbegriff zur Legitimation totalitarer Herrschaftsordnungen diente, zumindest erklarungsbedurftig.