Zu Beginn des 20. Jahrhunderts manifestieren sich in der deutschen und russischen Kultur signifikante Vorbehalte gegen den literalbasierten Ausdifferenzierungsprozess von Kunst und Recht, die durch einen mageblich schriftskeptischen Reflex gepragt sind. Auf der literarischen und rechtspolitischen Buhne der Moderne treten Stimme und Schrift erneut in Konkurrenz zueinander. Einerseits kulminieren zwar in beiden Kulturen neuzeitliche Schrift-, Buch- und Bildungstraditionen. Andererseits aber werden die Konsequenzen schriftgestutzter Differenzierung verscharft wahrgenommen. Dabei finden sich nicht allein Literatur und Theater drangenden Fragen zu ihrem asthetischen Selbstverstandnis gegenubergestellt, auch die Rechtswissenschaft reagiert mit Strategien, die auf die Wiederbelebung der in der Schrift stumm gestellten Stimme zielen.