'Darf der Staat foltern, um Leben zu retten?' - Diese in Deutschland zuletzt ausschlielich im Rahmen fiktiver Szenarien gestellte Frage hat spatestens seit dem Urteil im Prozess gegen den ehemaligen Frankfurter Polizeivizeprasidenten Daschner im Jahre 2004 ihren hypothetischen Charakter verloren und steht seitdem im Mittelpunkt einer politischen und wissenschaftlichen Debatte zur so genannten 'Rettungsfolter'. Ausgehend von der Beobachtung, dass sich der Streit um die Zulassigkeit polizeilich-praventiver Folterhandlungen zur Lebensrettung vorrangig in den normativen Kategorien des Rechts und der Moral rekonstruieren lasst, stellt diese Monographie einen interdisziplinaren Beitrag zur Starkung des absoluten Folterverbots dar. Auf der Grundlage einer rechtsphilosophischen Verhaltnisbestimmung rechtlicher und moralischer Normen werden dabei verschiedene argumentative Wege aufgezeigt, wie das Dilemma staatlicher Folterhandlungen zur Lebensrettung aus juristischer und ethischer Perspektive aufgelost werden kann.