Der methodologische Wert von Vorhersagen - d.h., ob bestatigte Vorhersagen ein geeignetes Kriterium der Theoriewahl und -bewertung sind - ist philosophisch und historisch umstritten: Philosophisch ist strittig, aus welchem Grund eine bestatigte Vorhersage von groerem Wert sein sollte als eine Erklarung bekannter Phanomene; wissenschaftshistorisch ist strittig, ob bestatigte Vorhersagen tatsachlich gute Theorien (und nur diese) auszeichnen. Beide Probleme hangen zusammen. Die Arbeit verteidigt den methodologischen Wert von Vorhersagen. Anhand der Falle der Fresnelschen Optik, der Allgemeinen Relativitatstheorie und de Saussures Ablauttheorie zeigt sie exemplarisch, dass die Uneinheitlichkeit des empirischen Befundes die Kehrseite unterschiedlicher methodologischer Positionen ist. Von diesen verschiedenen Positionen erweist sich die des Methodologen William Whewells als die fruchtbarste: Eine Explikation von Whewells Ansatz gestattet es vor allem, bestimmte Erklarungen bekannter Phanomene als Vorhersagen zu deuten und damit vermeintliche historische Gegenbeispiele zu entkraften, sowie die empirische Unhaltbarkeit der Deutung erfolgreicher Vorhersagen als Zufallstreffer nachzuweisen.