Die musikasthetische Debatte der deutschen Aufklarung hatte ihren Schauplatz oft in Ubersetzungen. Aus dem Franzosischen wurde besonders viel ubertragen - aus den mit Verve gefuhrten Opernkontroversen ebenso wie aus asthetischen Traktaten. Auf diese Weise wurden Theorien der Nachahmung, des Geschmacks und der Empfindung von Autoren wie Jean-Jacques Rousseau, Charles Batteux oder Jean-Baptiste Du Bos in Deutschland eingefuhrt. Diese Studie zeigt, wie stark sich bereits in den Ubersetzungen selbst Debatten manifestierten. Mit Textanpassungen und kritischen Kommentaren verfolgten Johann Mattheson, Luise Gottsched, Friedrich Wilhelm Marpurg, Johann Adam Hiller und andere das Ziel, die ubersetzten Beitrage im aufklarerischen Sinne zu "e;verbessern"e; und fur ihre Agenden zu nutzen. Ihre Ubersetzungen gaben der Musikasthetik wichtige Impulse: Sie boten Modelle fur musikbezogene Polemik und gaben Anlass, uber das Deutsche in Musik und Musikschrifttum zu reflektieren. Benedikt Le mann untersucht diesen Kulturtransfer erstmals in seiner Breite und pladiert dafur, historische Ubersetzungen als Texte eigenen Rechts ernst zu nehmen.