Im heutigen Sprachgebrauch ist die 'Perspektive' allgegenwartig. Das ist eine relativ junge Erscheinung. Zunachst Fachbegriff in Optik und Malerei, entfaltet die Perspektive ihre metaphorische Bedeutung erst im Laufe des 18. Jahrhunderts. Die Literatur hat wesentlichen Anteil daran. Wielands letzter groer Roman 'Aristipp' und Brentanos erster und einziger Roman 'Godwi' spielen deren metaphorische Auspragungen als Standpunkt im Gesprach, als Standpunkt des Geschichtsschreibers und als Standpunkt des Kunstbetrachters thematisch und als literarisches Verfahren durch. Die literarische Multiperspektivitat findet im spataufklarerischen Roman einen letzten glanzvollen Hohepunkt, um von der neuen Generation endgultig verabschiedet und durch das Konzept des 'Totaleindrucks' ersetzt zu werden.