Die Wohnsituation von Menschen mit Behinderung hat sich in den letzten Jahrzehnten einem grundlegenden Wandel unterzogen. Die deutsche Sozialpolitik und die Organisationen der Behindertenhilfe arbeiten zunehmend daran, das umzusetzen, was im deutschen Sozialgesetzbuch IX formuliert ist: Selbstbestimmung und Teilhabe am Leben in der Gesellschaft. Die UN-Behindertenrechtskonvention, welche von der BRD im Marz 2009 ratifiziert wurde, fordert in Artikel 19 neben einer uneingeschrankten gesellschaftlichen Inklusion, dass Menschen mit Behinderung frei wahlen konnen, wo und mit wem sie leben wollen und dass sie nicht gezwungen werden konnen, in besonderen Wohnformen zu leben. Zwischen den Forderungen der UN-Konvention und der gesellschaftlichen Realitat besteht jedoch noch immer eine groe Diskrepanz. Die Lebenswirklichkeit behinderter Menschen ist weiterhin durch stationare Wohnanlagen in Randgebieten oder sehr groe Wohneinrichtungen gepragt. Dabei ist die Gruppe der Menschen mit schweren geistigen und mehrfachen Behinderungen von dieser gesellschaftlichen Exklusion in besonderer Weise betroffen. Es soll in diesem Buch der Frage nachgegangen werden, welche strukturellen Voraussetzungen gegeben sein mssen und welche Handlungsperspektiven sich anbieten, um ein konventionsgerechtes Wohnen in der Gemeinde auch fr Menschen mit schweren Behinderungen gewhrleisten zu knnen und welche Handlungsperspektiven sich anbieten, um den Forderungen von Artikel 19 nachzukommen.