Legendarische wie hofische Texte der Vormoderne behaupten ihre Materialitat in Analogie zum Paradigma des Reliquiars, das insofern als ihre Reflexionsfigur gelten kann. Unter diesem Aspekt ergibt sich der Moment des Materials als simultane Wahrnehmbarkeit von Texten und Artefakten. So thematisieren etwa die Mirakel des Passionals Texte, Bilder und Schreine als mogliche Formen einer Kunstwerdung des Heiligen und entwerfen dabei ein Bedingungsgefuge, das die Abhangigkeit der kunstlichen Hulle vom heiligen Gehalt verschieden skaliert. Zugleich kann dabei das Momentum des Materials in der medialen Imagination von Materialitat als ein Impuls wirksam werden, den gerade die Dissoziation von Heiligem und Artifiziellem entbindet. Das Buch geht solchen Imaginationen von Materialitat in Texten (Passional, Herzmaere, Wigalois, Partonopier) ebenso wie anhand von Artefakten nach (Reliquiar, Minnekastchen, Silberschale).>