Konrad Adenauer und Ludwig Erhard - zwei ungleiche Grundervater der Bundesrepublik Deutschland, die gemeinsam eine Ara pragten, sich dann aber uber die Ausrichtung der Europapolitik zerstritten und einen erbitterten Kampf ums Kanzleramt lieferten, der in volliger Zerruttung endete. Neben diesem groen Drama verblasst ein wenig die Tatsache, dass ihre alltagliche Zusammenarbeit vor allem von den Fachfragen des Wirtschaftsressorts bestimmt wurde. Genau hierauf richtet die neue Adenauer-Erhard-Edition in der Rhondorfer Ausgabe ihr Augenmerk, indem sie Briefe, Memoranden und Gesprachsaufzeichnungen versammelt, die sich auf die Wirtschaftspolitik im engeren Sinne beziehen. Behandelt werden ordnungspolitische Grundsatzfragen wie die Kartellgesetzgebung, die Mitbestimmung und die Regelung der Sozialpartner-Beziehungen. Die Dokumente geben aber auch Aufschluss uber praktische und prinzipielle Aspekte der Konjunkturpolitik - etwa die Manahmen zur Sicherung des Wachstums, die Einhegung der Lohn- und Preisentwicklung sowie die Debatte um die gesellschaftlichen Folgen des Konsums. Es zeigt sich, wie das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft in der politischen Praxis ausgehandelt wurde. Somit wirft die Edition nicht nur einen neuen Blick auf das Verhaltnis zwischen Adenauer und Erhard, sondern erschliet aus deren Perspektive auch die Fruhgeschichte der bundesrepublikanischen Wirtschaftspolitik.