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Gammertingen, St. Michael

Författare:
tyska
1 408 kr
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Die am Nordrand der schwabischen Kleinstadt Gammertingen gelegene baulich unscheinbare Michaelskapelle wurde im Jahr 1981 fast vollstandig archaologisch untersucht. Schon im Vorbericht wurde deutlich, dass die Kapelle in vorstadtische Zeit zuruckreichte und auf eine herrschaftliche Eigenkirche zuruckgehen durfte. Dies kann nun konkretisiert werden: Die Michaelskapelle entstand im 10. Jahrhundert auf einer den Grafen von Gammertingen zuzuordnenden Niederungsburg, deren Kernburg aus zwei miteinander verbundenen und von einem gemeinsamen Graben umgebenen kunstlich aufgeschutteten Hugeln bestand. Wahrend auf dem in den benachbarten Flusslauf hineingebauten Osthugel das herrschaftliche Wohngebaude zu rekonstruieren ist, war der unscheinbarere Westhugel der sakralen Nutzung zugeordnet. Mit dem um 980 errichteten ersten massiven Kirchenbau beginnt unmittelbar die Nutzung als Familiengrablege der ansassigen Hochadelssippe. Die acht erfassten Bestattungen konnten uber molekulargenetische Untersuchungen zu einem vier Generationen umfassenden Stammbaum zusammengefugt werden. Die offenbar nach festem Belegungsmuster bestatteten Toten sind mit den jeweiligen mannlichen Familienoberhauptern identisch oder im ersten Grad blutsverwandt. Im Verbund mit der Graberstratigrafie und radiometrischen Untersuchungen der Gebeine lassen sich fur die Belegungszeit des 10./11. Jahrhunderts sehr exakte Datierungen formulieren, was auch Auswirkungen auf die Chronologie der in den Grabern gefundenen Keramik hat.Der Zentralbefund Erbgrablege steht nicht allein, sondern ist in eine Entwicklung eingebunden, die mit einem ersten Herrenhof des mittleren 7. Jahrhunderts beginnt, in dessen Umfeld in groerem Mastab Eisenverhuttung betrieben wurde. Nach einer goldenen Generation"e; der Gammertinger Grafen in der ersten Halfte des 11. Jahrhunderts, die die neue Hohenburg Baldenstein errichten lie und die Michaelskapelle zur Basilika mit Seitenturm ausbaute, begann ein schleichender Niedergang, der mit dem Aussterben der Grafen in der 2. Halfte des 12. Jahrhunderts seinen Schlusspunkt fand. Nur mit Gluck blieb der ausgebrannte Torso der graflichen Eigenkirche erhalten, bis in der 2. Halfte des 13. Jahrhunderts die Grundung der Stadt Gammertingen erfolgte. Die Michaelskapelle wurde als Schlosskapelle in den stadtherrschaftlichen Bezirk miteingebunden und erbrachte als solche bis in die Neuzeit hinein relevante Befunde zur Stadt-, aber auch zur Landesgeschichte.Die Arbeit zeigt, dass eine interdisziplinar und methodenbewusst aufgestellte Archaologie in der Lage ist, das herrschaftsgeschichtlich effektiv immer noch dunkle Zeitalter"e; vor dem Einsetzen einer der etwas breiteren klosterlich getragenen Schriftuberlieferung im spateren 11. Jahrhundert deutlich zu erhellen. Auch wenn es erwartungsgema nicht gelang, eine direkte Verbindung vom spangenhelmtragenden Furst von Gammertingen"e; des spaten 6. Jahrhunderts bis zu den Grafen des Hochmittelalters zu knupfen, kann der Befund von Gammertingen doch paradigmatische Bedeutung beanspruchen - in dem Sinn, dass die in den fruhen Schriftquellen noch nicht aufscheinende Bedeutung lokaler Kontinuitat fur die Frage nach der Entstehung des hochmittelalterlichen Adels gleichwohl prominent mitbedacht werden muss.

Författare
Soren Frommer
ISBN
9783954907007
Språk
tyska
Utgivningsdatum
2017-01-01
Sidor
365