Die zum Reflexionsbild erstarrte Frauenleiche ist ein zentrales Motiv der europaischen Kunst, das sein russisches Kulturspezifikum durch die Verbindung mit der orthodoxen Ikone erhalt. Die Studie untersucht die Transformationen lebendiger Frauenfiguren zu toten Bildkorpern und geht deren Funktions- und Bedeutungsvielfalt nach. Die hier betrachteten (Bewegt-)Bilder und Texte stellen den weiblichen Leichnam als (Heiligen-)Bild in vielschichtige asthetisch produktive Spannungsfelder: zwischen Kult und Kunst, Dies- und Jenseits, Form und Zerfall, Ethik und Asthetik. Insofern sie dabei auch das Verhaltnis von Russland und (West-)Europa sowie zwischen Tradition und sich anbahnender Moderne verhandeln, problematisieren die Werke virulente Fragen der Zeit, Umbruche und Krisen sowohl asthetisch-poetologischer als auch religioser, philosophischer, medialer, ethischer und sozialer Natur.