Am Beispiel der Elektrifizierung Oberschwabens in der ersten Halfte des 20. Jahrhunderts durch die Oberschwabischen Elektrizitatswerke (OEW) zeigt diese Studie, dass die Umsetzung infrastruktureller Groprojekte nicht nur von technischer Machbarkeit und dem Vorhandensein finanzieller Ressourcen bestimmt wird, sondern ebenso von der kommunikativen Vermittlung damit in Zusammenhang stehender Entscheidungen. Die Stellung von Strommasten auf landwirtschaftlich genutzten Flachen oder die optischen Veranderungen des Landschaftsbildes durch Fernleitungen fuhrten immer wieder zu Diskussionen und Konflikten. Parallelen zu gegenwartigen Groprojekten sind dabei offensichtlich. Mit Fokus auf zentrale Aushandlungsprozesse, kommunikative Prozeduren und Argumentationsmuster legt Daniel Wilhelm dar, wie sich die Durchsetzung unternehmerischer Interessen in der ersten Halfte des 20. Jahrhunderts gestaltete. Durch ihren theoretischen Zugang weicht die Untersuchung ab von einer traditionell technikorientierten Geschichte der OEW und sieht in den Interaktionsakten zwischen Unternehmen und Betroffenen die entscheidenden Kristallisationspunkte der Elektrifizierung.