Wir leben im Zeitalter des vermessenen Menschen. Schritte, Kalorien, Herzfrequenzvariabilitat, Schlafphasen - alles wird getrackt, analysiert und optimiert. Doch der Gesundheitsjournalist Holger Klipp stellt in "e;Die Daten-Neurose"e; eine unbequeme Diagnose: Diese technologische Selbstuberwachung macht uns nicht gesunder, sondern neurotisch. Klipp beschreibt das Phanomen der "e;Orthosomnie"e; eine Schlafstorung, die paradoxerweise erst dadurch entsteht, dass Menschen sich obsessiv Sorgen um die Optimierung ihrer Schlafdaten machen. Er zitiert Studien, die den Nocebo-Effekt von Fitness-Uhren belegen: Wer morgens auf sein Display schaut und einen schlechten "e;Recovery"e;-Wert sieht, fuhlt sich den ganzen Tag erschopft und leistungsunfahig, selbst wenn er objektiv gut geschlafen hat. Wir haben die Intuition fur unseren eigenen Korper an einen Algorithmus ausgelagert. Das Buch ist ein Pladoyer fur eine Ruckkehr zur "e;Interozeption"e; der Fahigkeit, Signale des Korpers (Hunger, Mudigkeit, Energie) von innen heraus wahrzunehmen, statt sie von einem Display abzulesen. Klipp zeigt, dass standiges Feedback Stress erzeugt, der die positiven Effekte des Sports oft zunichtemacht. Er fordert dazu auf, die Uhr ofter abzulegen, um den eigenen Puls wieder wirklich zu spuren, statt ihn nur zu zahlen. Ein Befreiungsschlag fur alle, die Sklaven ihres Handgelenks geworden sind.