Authentizitat ist in den letzten Jahrzehnten zu einem omniprasenten Sehnsuchtsbegriff geworden. Nicht zuletzt im Zuge der Digitalisierung und den damit verbundenen Entfremdungserfahrungen hat die Originalitat und Glaubwurdigkeit verheissende Aura des Authentischen auch in der Kommunikation uber Literatur eine Wirkungsmacht entfaltet, die weit uber die Funktion als literaturkritisches Modewort hinausgeht. In seiner literatursoziologischen Studie untersucht Christian Dinger die Verwendungsweisen des Authentizitatsbegriffs in Bezug auf literarische Phanomene und analysiert die Zuschreibungs- und Inszenierungspraktiken, mit deren Hilfe die Deutungshoheit uber das Authentizitatslabel beansprucht wird. Der Autor macht damit die Funktionsmechanismen und Positionierungskampfe auf dem literarischen Feld der Gegenwart sichtbar.