Nach der Schlacht von Actium entwickelte sich im Imperium Romanum der Prinzipat als neues Herrschaftssystem, das bis zur Regierung Trajans (98-117 n. Chr.) voll ausgebildet war und die Mitglieder der senatorischen Elite vor enorme Herausforderungen stellte. Denn wahrend der permanente Konkurrenzkampf um Macht und Einfluss unter den hochsten aristokratischen Funktionstragern des Imperiums keineswegs geringer geworden war, musste nun in allen Bereichen der Princeps als die systembeherrschende Groe stets mitberucksichtigt werden. Insbesondere die Analyse der literarischen Selbstdarstellung der beiden Senatoren Tacitus und Plinius gibt dabei Aufschluss uber mogliche Strategien, wie durch die Affirmation der trajanischen Herrschaftsdarstellung und die gleichzeitige Distanzierung die Unabhangigkeit der Senatoren weiterhin behauptet sowie die Authentizitat ihrer Schriften gewahrt werden konnte. So entstehen zwischen Princeps und Res Publica zwei eindruckliche senatorische Selbstbildnisse, deren Autoren sich als selbstbewusste Systemtrager zu inszenieren wissen. Literatur erscheint in diesem Kontext nicht zuletzt als ein Instrument im Konkurrenzkampf einer hochkompetitiven imperialen Elite.