Die kritische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus an deutschen Universitaten setzte nicht erst mit der Studentenbewegung von '68 ein. Schon Mitte der 1960er Jahre forderten Tubinger Studierende, inspiriert durch Personlichkeiten wie Hermann Gremliza, eine Konfrontation mit der NS-Vergangenheit der akademischen Lehrkrafte. Die Antwort der Universitat Tubingen auf diesen Druck war die Ringvorlesung Deutsches Geistesleben und Nationalsozialismus"e; (1964/65), die weit uber die Stadtgrenzen hinaus Beachtung fand und den lange herrschenden Schweigekonsens innerhalb der westdeutschen Hochschullandschaft brach. In seinem Werk beleuchtet Bastian Wade diese entscheidende Phase der Vergangenheitspolitik im Horsaal"e;, die nicht nur Spuren in der Bundesrepublik hinterlie, sondern auch die Grenzen und Moglichkeiten der akademischen Aufarbeitung von Schuld aufzeigte. Durch eine detaillierte Analyse der damaligen Akteure und Rahmenbedingungen bietet Wade einen neuen Blick auf eine bisher wenig beachtete Facette der deutschen Nachkriegsgeschichte.