Einer der beruhmtesten antiken Mythen erzahlt von der Ankunft des Trojaners Aeneas in Latium; eines der bekanntesten Daten der Geschichte ist die Grundung Roms durch seinen Nachfahren Romulus im Jahr 753 v. Chr. Doch vor der Etablierung dieser kanonischen Erzahlungen gab es einen groen Reichtum an mythhistorischen Vorstellungen uber die Ursprunge Roms und der Latiner, an deren Anfang Hesiods Verse uber den eponymen Heros Latinos als Sohn des Odysseus und der Kirke stehen. Eva Hagen untersucht drei vorkanonische Traditionsstrange uber den Stammvater Latinus zwischen Hesiod und dem 3. Jahrhundert v. Chr. Aktualisierungen und Variationen zwischen archaischem griechischem Epos und den Anfangen der romischen Vulgata geben Aufschluss uber die Entwicklung ethnischer Identitaten im Tyrrhenischen Italien und die Verhaltnisse zwischen Latium und Rom, der herausragendsten Stadt der Region. Aus den weitgehend fragmentarisch uberlieferten Genealogien und Erzahlungen rekonstruiert die Autorin lebendige Diskurse uber epische, ethnische und stadtische Identitaten sowie gottliche, einheimische, griechische und trojanische Wurzeln und diskutiert mogliche politische und soziale Funktionen.